Presse


Für beste Gesundheit

Pressemitteilung free-med

Presseerklärung der ÄGGP zu free-med

 

Interview mit dem 1. Vorsitzenden der ÄGGP Dr. med. Norbert Panitz über das free-med-Informationsportal

Frage

An free-med scheiden sich die Geister.

Was können Sie Kritikern entgegnen, die vor einer Zweiklassenmedizin warnen und in den Freien Gesundheitsleistungen mit einem neuen Abrechnungsmodus eine Methode sehen, die den Ärzten die Taschen füllt und die Patienten zur Kasse bittet?

Panitz

Unser Infoportal free-med hat natürlich nicht die Bedeutung, um gesellschaftliche Entwicklungen voranzutreiben. Vielmehr schafft es Transparenz auf dem grauen Markt der sogenannten IGe-Leistungen. Es fördert die Qualität und versetzt den Patienten in die Lage, sich selbstständig zu informieren, dort, wo möglicherweise unter Zeitdruck Information in der Praxis zu kurz kommt. Es ist umfassend, es ist absolut innovativ und fördert die Gesundheit und die Gesundheitsbildung in Deutschland sicher in einem doch respektablen Umfang. Eine Zwei-Klassen-Medizin wird durch ganz andere gesellschaftliche Realitäten hervorgerufen, dazu ist ein Portal wie dieses nicht in der Lage.

Frage

Aber es ist doch Tatsache, dass sich Patienten mit gutem Einkommen Selbstzahlermedizin leisten können, Arme jedoch nicht. Halten Sie das, gerade auf dem prekären Gebiet der Gesundheitsversorgung, für gerecht?

Panitz

Die Selbstzahlermedizin ersetzt keineswegs unser Gesundheitsversorgungssystem und Gesundheitswesen, das bleibt auch erhalten. Es ergänzt sie nur. Die freie und auch soziale Marktwirtschaft ermöglicht durchaus zusätzliche Leistungen, zusätzlichen Komfort; und zwar auf dem Boden unserer Leistungsgesellschaft. Ich sehe da nichts, was unsere Gesellschaft zersetzt. Eine gute medizinische Versorgung stärkt die Gesellschaft.

Da trägt der 2. Gesundheitsmarkt mit einem Volumen von ca. 60 Milliarden Euro viel dazu bei. Ärztliche Leistungen erscheinen auf diesem Markt bei 1,5 Milliarden Umsatz im Jahr als ein bescheidener Anteil, obwohl sie doch von Fachleuten erbracht werden.

Frage

Trotzdem wird der Patient also zur Kasse gebeten, und zwar mit zweifelhaften Methoden, wie der Igel-Monitor zeigt?

Panitz

Damit dies von vornherein ausgeschlossen wird, bietet free-med mit seinem Portal eine gute Orientierung. Denn es wird dort ein Forum geben, in dem sich Patienten sowohl untereinander als auch mit Ärzten austauschen können. Im Übrigen sind die Kriterien, die der IGeL-Monitor verwendet sicher nicht die der angewandten, sondern ausnahmslos die der evidenzbasierten Medizin. Ich war lange genug als Qualitätssicherungsbeauftragter der KV ehrenamtlich tätig, um einschätzen zu können, dass sich im Bereich der Selbstzahlermedizin die ärztlichen Leistungen nicht unterscheiden von den Leistungen im GKV-Bereich. Es sind die gleichen Leistungserbringer, es sind die gleichen Patienten, nur die Methoden beruhen mehr auf heuristischer Kompetenz, das heißt auf den Erfahrungswerten der Ärzte und auf den Wünschen der Patienten. Die sind natürlich subjektiv, aber wir behandeln eben auch das Subjekt und nicht einen Durchschnittspatienten. Denn den gibt es in der Realität tatsächlich gar nicht, aber er wird in Studien zum Maßstab gemacht. Davon lassen wir uns nicht leiten. Wir sehen den Patienten in seiner ganzen Individualität.

Der Patient ist eben nicht das statistische Mittel, sondern ein Ergebnis seines ganz individuellen Lebensweges mit entsprechenden Störungen, die auch zu Krankheiten führen. Darauf ist die Intervention des Arztes gerichtet und wir unterstützen das.

Frage

Aber Sie müssen zugeben, dass dadurch die subjektive Not des Patienten ausgenutzt wird.

Panitz

Das gebe ich keineswegs zu. Unsere teilnehmenden Ärzte halten sich an den Ärztekodex, der aus 10 Punkten besteht und damit einen fairen und offenen, transparenten Umgang mit den Patienten gewährleistet.

Frage

Wird das denn ausreichen?

Panitz

Das werden wir sehen. Wir werden auch noch Bewertungen einführen, die einen hohen Grad an Objektivität ermöglichen. Entscheidend wird sein, ob die Ärzteschaft hier mitmacht – sie wird sicher selbst ihr Zeugnis schreiben. Aber mit free-med wird ihr geholfen sein. Wir ermöglichen eine größere Offenheit. Wir führen Regeln ein, wir führen aber auch Rechtssicherheit für Patienten und Ärzte ein. Das Licht in diesem grauen Markt wird von free-med ausgehen. Die teilnehmenden Ärzte haben aber auch Wettbewerbsvorteile auf dem 2. Gesundheitsmarkt, denn alternative Heilverfahren wie chinesische Medizin oder Homöopathie sind in ärztlicher Hand besser aufgehoben.

Frage

Nun gibt es seit circa 15 Jahren IGeL-Leistungen und die Entwicklung dieses 2. Gesundheitsmarktes ist keineswegs eine Erfolgsstory, sondern belastet das Arzt-Patienten-Verhältnis erheblich.

Panitz

Tatsächlich hat das Vertrauen innerhalb der Arzt-Patienten-Beziehung dadurch gelitten. Wir stellen fest, dass dieses Informationsportal und die Möglichkeit, darüber auch zu einem offenen Diskurs zu gelangen, tatsächlich schon sehr viel früher notwendig gewesen wäre. Aber die KBV als Einrichtung des öffentlichen Rechts hat dazu kaum Spielraum, die Wirtschaft kein Interesse. Die Krankenkassen haben mit dem IgEL-Monitor reagiert, stellen dabei aber allzu plakativ eigene Interessen in den Vordergrund. Dem Patienten ist damit tatsächlich nicht geholfen. Deshalb hat sich die ÄGGP dieses Problems angenommen und auf diesem wachsenden Markt Bedingungen für Regularien geschaffen, ohne ihn zu ersticken.

Frage

Wie bewerkstelligen Sie das denn?

Panitz

Mit der Enzyklopädie für FGL und free-med haben wir erste Werkzeuge entwickelt. Dieses Projekt aus der Mitte der Ärzteschaft trägt auch ihren Stempel. Es gründet auf der Erfahrung, dass ein transparenter Umgang auf gleicher Augenhöhe für Arzt und für Patient von großem Vorteil ist. Wir haben dafür auch ein Forum geschaffen für Patienten und Ärzte zur Selbstzahlermedizin. Unser Projekt nutzt dabei social medical media, um aktuell zu sein. Vielleicht sind wir der Zeit etwas voraus. Klar ist, dass sich bei dem Wissenswachstum in der Medizin und unter dem Kostendruck im Gesundheitswesen die Gesundheitswirtschaft weiterentwickeln wird. Schauen Sie sich die Zahnmedizin an: Ohne die Zusatzleistungen, die der Patient im allgemeinen zu tragen hat, wäre eine zahnärztliche Versorgung, wie sie hier in Deutschland möglich ist, gar nicht denkbar. Selbstbeteiligung wird in Zukunft auch in der ambulanten Humanmedizin eine größere Rolle spielen. Wenn es soweit ist, dann wird free-med da sein, um Patienten und Ärzteschaft in ihrer gewohnten Partnerschaft zu unterstützen und eine optimale Information für beide Seiten zu ermöglichen, zugunsten einer gewohnt guten medizinischen Versorgung.

Frage

Wie wollen Sie mit Systemopportunisten umgehen?

Panitz

Es wird immer Menschen geben, die aus opportunistischen Motiven heraus agieren. Sie werden sich bei free-med nicht wohl fühlen. Die Kontrollmechanismen werden bei uns ausreichend groß sein, weil sie sowohl durch die Patienten in den Foren als auch durch uns als Projektleiter garantiert werden.

Frage

Wäre es dann nicht auch sinnvoll, ein Portal für GKV-Leistungen mit Bewertung der Leistungen und Leistungserbringer einzurichten?

Panitz

Wir schließen eine Bewertung der Leistungserbringer aus. Wir glauben, dass eine Bewertung der Leistung im Grunde der eigentliche Parameter ist, der für den Patienten interessant ist. Und diesen Parameter werden wir bewerten lassen. Das gilt auch für GKV-Leistungen.

Frage

In der Politik gibt es Bestrebungen, IGe-Leistungen zu verbieten.

Panitz

Hier übersehen die gesundheitspolitischen Vertreter der Parteien, dass Expansion und Innovation notwendig sind, und in der Selbstzahlermedizin gesellschaftliche Wertschöpfung in sehr hohem Maße stattfindet. Wir alle wollen uns nicht nur Autos und Reisen und einige Extras, sondern auch Gesundheit leisten können. Von diesen Wünschen leben ganze Industrien. Die Gesundheitswirtschaft im Dienstleistungsbereich kann eine führende Wirtschaftsbranche in den nächsten Jahrzehnten werden. Darüber sind sich die Experten einig. Sie wird es nur, wenn man sie nicht erstickt. Und Deutschland lebt von Innovation und Dienstleistung.