Freier Brief an die Ärzteschaft


 

Sehr geehrte Frau Kollegin,

sehr geehrter Herr Kollege,

 

in einer gemeinsamen Angelegenheit wenden wir uns an Sie.

Der Selbstzahlerbereich in der Medizin mit seinen Leistungen außerhalb des GKV/PKV-Katalogs, spielt eine zunehmend wichtige, aber auch schwierige Rolle. Der Sparzwang im Gesundheitssystem ist dabei die treibende Kraft. Darüber können wir uns einig sein. Eine Bürgerversicherung mit  Zusatzversicherungen wird den Selbstzahlerbereich  weiter fördern.

Mit der Selbstzahlermedizin im so genannten zweiten Gesundheitsmarkt hat die Ärzteschaft aber ein Problem – sei es moralisch, politisch, legitimatorisch, organisatorisch, steuerrechtlich, kommunikatorisch oder auch psychologisch. Andere Berufsgruppen haben dieses Problem nicht, weder im Selbstverständnis noch in der Fremdwahrnehmung, und besetzen durchaus erfolgreich ärztliche Kompetenzbereiche, während sich viele niedergelassene Ärzte selbst wegen schwindender Finanzmittel  in Existenz bedrohenden Zwangslagen befinden.

Dabei ist der zweite Gesundheitsmarkt kein Ersatz für einen Kampf um gerechtes Honorar, aber er kann, wenn er sinnvoll und kompetent genutzt wird Raum schaffen für innovative, unternehmerische und gestaltende Kräfte innerhalb der ambulanten Medizin und das ärztliche Diagnostik- und Behandlungsrepertoire erweitern um Leistungen, insbesondere aus dem Präventionsbereich, die evt. nie oder erst Jahre später im GKV-Katalog auftauchen.

Der ohnehin kleine Marktanteil am sog. zweiten Gesundheitsmarkt droht der Ärzteschaft verloren zu gehen durch negative Berichterstattung und Verunglimpfungen in der Presse. So würde der IGeL-Monitor der KK mit fragwürdigen und tendenziellen pseudowissenschaftlichen Aussagen die Gesamtheit der Selbstzahlermedizin gern in eine „Giftkammer“ sperren.

Wir, die Ärztliche Gesellschaft für Gesundheit und Prävention, werden mit einem Internetportal für Patienten und Ärzte unter dem Motto „Patienten und Ärzte – im Netz“ Licht in den grauen Markt der Selbstzahlermedizin bringen und diesen andererseits auf zweckdienliche und vertretbare Weise fördern, denn ein großer Teil dieser Leistungen ist empfehlenswert, teilweise notwendig und ausgesprochen hilfreich und unter Versorgungsaspekten häufig  innovativ und indiziert. Denken wir nur an Beratungsleistungen oder alternative, kosmetische oder präventive Maßnahmen. Sie werden ausdrücklich vom Patienten selbst gewünscht.

Wir weisen gleichzeitig auf einen dringenden Bedarf an Regelungen innerhalb der Selbstzahlermedizin und auf die Gefahr hin, dass durch Betriebsblindheit das wachsende gesundheitswirtschaftliche Potenzial in Deutschland in den nächsten Jahren und Jahrzehnten den Ärzten verschlossen bleibt, z.T. selbst verschuldet durch Missstände im Umgang mit unseren Patienten. Es wurde Vertrauen durch Desinformation und fehlende Transparenz bereits aufs Spiel gesetzt. Wir wollen dieses zurückgewinnen.

Die Tatsache, dass andere Berufsgruppen im Gesundheitsmarkt vorbei an den Ärzten wirtschaftlich sehr viel stärker profitieren, ist bekannt. Das Volumen des zweiten Gesundheitsmarktes liegt bei 60 Milliarden. Die Ärzteschaft ist mit geschätzten 1.5 Milliarden geringfügig daran beteiligt.

Wir, die Mitglieder der Ärztlichen Gesellschaft für Gesundheit und Prävention, gegründet 2003 als gemeinnützig anerkannter Verein, haben uns deshalb diesem Thema gestellt und reagieren mit einem Informations-Portal für Patienten und Ärzte. Wir nennen es free-med, um auf dessen Unabhängigkeit hinzuweisen. Das Portal bietet eine breite Informationsbasis für alle Leistungen außerhalb des Leistungskataloges der GKV/PKV, die wir Freie (medizinische) Gesundheits(fach)leistungen (FGL) nennen. Der Begriff sollte diese Angebote von den GKV-Leistungen abgrenzen, zusammenfassen, auf deren besonderen Charakter hinweisen und den Dysphemismus “ IGeL“ ablösen.

free-med, das erste und einzige ärztlich geleitete und ärztlich verantwortete Informationsportal im der Selbstzahlermedizin wird mit einer Datenbank ordnend unter Aspekten von detaillierter Beschreibung, Vereinheitlichung und Sinnhaftigkeit, Vergleichbarkeit und Qualitätssicherung, Steuer- und Rechtssicherheit, Qualifikationsvoraussetzungen und Auffindbarkeit der ärztlichen Anbieter und mit Empfehlungen von KBV und BÄK  Patienten  über FGL kostenfrei informieren und ihnen Gelegenheit geben, Sie und Ihre Leistungen aus dem Selbstzahlerbereich mit seiner Suchfunktion zu finden und mit Ihnen in Kontakt zu treten. free-med ist und bleibt unabhängig und strebt an das Internetportal für alle ärztlichen Leistungen der ambulanten Medizin zu werden.

Auch Sie können jetzt an der Erstellung der Online-Enzyklopädie (wiki-medi-Liste) für FGL mitwirken, Autor werden und dabei kostenfrei Ihre Praxis und Ihre FGL im Internet darstellen.

Bitte schauen Sie sich folgende Websites an und entschließen Sie sich bei dieser Initiative unter dem Motto „Ärzte für Ärzte“ mitzumachen:

www.aeggp.de,                                   www.free-med.net                        www.wiki-medi.de

Für Fragen sind wir erreichbar unter info@aeggp.de, über das Kontaktformular der ÄGGP  unter  www.aeggp.de oder telefonisch unter 030/85401481 oder 030/ 84318061, sowie per Fax 030/85401483

In der Anlage finden Sie unseren Flyer.

Bitte machen Sie diese Initiative auch in Ihrem Kolleginnen- und Kollegenkreis bekannt.

Für Ihre Unterstützung und Interesse herzlichen Dank im Voraus.

 

Mit freundlichen kollegialen Grüßen

 

Dr. med. Norbert Panitz                                                       Berlin, den 23.08.2013

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