Interview


Für beste Gesundheit

Ärztliche Gesellschaft bietet Internetplattform zum Informationsaustausch mit Patienten

Die Ärztliche Gesellschaft für Gesundheit und Prävention (AGGP) bietet auf einem Internetportal Beratung zu freien Gesundheitsleistungen an. Dazu ein Gespräch mit dem 1.Vorsitzenden der Gesellschaft Dr. med. Norbert Panitz.

Es gibt bereits etliche Internetportale zu individuellen Gesundheitsleistungen. Was soll auf free-med vermittelt werden, das der Patient anderswo so nicht findet?

Norbert Panitz: Vergleichbare Portale gibt es meines Wissens nicht. Wir bieten ein dynamisches Wissensmanagement für Patienten und Ärzte an. Angestrebt ist eine Enzyklopädie der freien Gesundheitsleistungen, ähnlich wie Wikipedia und in allgemeinverständlicher Sprache. So erhalten Patienten erstmals Informationen aus erster Hand umfassend und aktualisiert.

Wo bekommen  Sie die Informationen her?

Norbert Panitz: Das Portal selbst ist die Quelle. Dafür wird die Datenbank in einem ständigen Bearbeitungsprozess erneuert und erweitert. Die Organisation fällt der Ärztlichen Gesellschaft für Gesundheit und Prävention zu. Sie hat alle ärztlichen und zahnärztlichen Berufsverbände, das sind zur Zeit circa 130, aufgefordert, beim Aufbau der Datenbank von free-med behilflich zu sein.

Wie ausführlich werden die Leistungen beschrieben sein und wie wird die fachliche Korrektheit gesichert?

Norbert Panitz: Patienten werden sich Informationen über alle angebotenen Leistungen verschaffen können, über deren Indikation, Wirkung, Nutzen und Risiken, Alternativen und Preise. Von den teilnehmenden Ärztinnen und Ärzten werden sie auf fachärztlichem Qualitätsstandard behandelt und beraten. Die Empfehlungen von Kassenärztlicher Bundesvereinigung und Bundesärztekammer werden eingehalten und die Rechnungen richten sich nach der Gebührenordnung der Ärzte. Dafür unterschreiben die Mediziner unseren Verhaltenskodex. Und die Patienten können direkt Kontakt zu der Ärztin und dem Arzt ihrer Wahl aufnehmen. Wenn das Projekt erfolgreich ist, werden wir die Datenbank auf alle medizinischen, insbesondere ambulanten Leistungen, ausweiten.

Was genau verstehen Sie unter individuellen Gesundheitsleistungen?

Norbert Panitz: Das sind alle jetzigen und die zukünftigen Sonder- oder Ergänzungsleistungen, alle privatärztlichen Wahl- oder eben auch IGe-Leistungen. Demnach ist es eine Selbstzahlermedizin, die eine Patientin oder ein Patient in Anspruch nimmt, wenn die Kassen diese nicht bezahlen.

Die beste Vorsorge, alternative Behandlungsmöglichkeiten – gibt es das bald nur noch gegen Bares? Müssen auch die Nutzer Ihres Portals bezahlen?

Norbert Panitz: Mit großem bewundernswertem Aufwand haben in den Jahren, in denen ich im Gesundheitssystem arbeite, alle Beteiligten am Erhalt und der Weiterentwicklung des weltweit geschätzten Gesundheitswesens in Deutschland gearbeitet. Das Engagement wird bleiben, aber schon allein wegen des demografischen Wandels ist künftig mehr Eigeninitiative und Selbstverantwortung notwendig. Präventionsmaßnahmen, die die Kassen zurzeit bezahlen, erscheinen ausreichend. Doch die Annahmen, auf denen sie basieren,  sind von der Realität längst überholt. Der Erfolg des zweiten Gesundheitsmarktes mit einem ähnlich großen Volumen wie das der ambulanten ärztlichen Versorgung zeigt das deutlich. Das Bedürfnis nach komplementärer und alternativer medizinischer Vorsorge und Behandlung wächst. Dies wird nicht mehr zu Lasten der Solidargemeinschaft zu leisten sein. Auf die Nutzer unseres Portals kommen keinerlei Kosten zu. Diese werden von den teilnehmenden Medizinern getragen.

Die gesetzlichen Krankenkassen, die Hersteller, die Politik und die Mediziner als Unternehmer – sie alle vertreten eigene Interessen. Könnte man insofern Ihr Angebot als eine Art Navigation betrachten?

Norbert Panitz: Wir treten als Informationsvermittler zwischen Ärzten und Patienten auf. Es wird keine Werbung geben und keine Interessensvertretung Dritter.

Im Forum sollen Patienten ihre Erfahrungen austauschen. Wie können Sie garantieren, dass dadurch niemand absichtlich verunglimpft oder Verunsicherung produziert wird?

Norbert Panitz: Wir geben im Forum Themen vor, die sich nur auf die Leistungen beziehen und nicht auf die Leistungserbringer. Darauf können sich alle Ärzte verlassen: Verunglimpfungen oder unqualifizierte Äußerungen werden sofort gelöscht. Der Umgang mit Gesundheit wird auch im Forum gelernt werden können – er kann nur sachlich, fachlich fundiert, verantwortlich, ehrlich und offen sein.

Wie wollen Sie verhindern, dass free-med ein „Verkaufsportal“ wird?

Norbert Panitz: Wir werden ja wohl alle nichts gegen Handel haben. Aber dass dieser fair und auf der Grundlage überprüfbarer und verlässlicher Grundlagen stattfindet, dafür muss gesorgt werden. Wir tragen unseren Teil bei durch die Selbstkontrolle der Ärzteschaft, durch höchstmögliche Information des Patienten, durch Qualität und Transparenz auf dem Portal, durch Wissensanreicherung und Wissensmanagement.

 

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