Die Berliner Gesundheitslounge


– Zur Vision —

Die Gesunderhaltung im Bewusstsein und im Handeln des Einzelnen und in der Gesellschaft ist an den Arzt oder dessen Ersatzfiguren nahezu ausschließlich gebunden. Aber auch im Gesundheitsbewusstsein derjenigen„ die bereits selbst sich um ihre eigene Gesundheit kümmern, wird Gesunderhaltung oft an das Konsumieren von Wellnessindustrieprodukten geknüpft, meist ohne ausreichende Reflektion. Im gesamten Gesundheitsbetrieb erscheint der Mensch reduziert auf Funktionen, die es zu erhalten gilt, während eine bio-psycho-soziale Ganzheit als Grundlage von Gesundheit wenig Beachtung findet. Grundlegend ist, dass das Individuum in der Gesundheitsindustrie weiter verobjektiviert und entinvidualisiert wird, indem es das Objekt von Interessen wird.  Der Gesundheitsmarkt ist ein Anbietermarkt, d.h. wer Gesundheit bei sich fördern möchte ist den oft völlig überzogenen und fehlleitenden Versprechungen der Anbieter v.a. wegen fehlender individueller Kenntnisse hoffnungslos ausgeliefert.

Eine naive  Fitnesskultur, wie sie heute nicht selten praktiziert wird, hilft den Menschen letztlich nur unvollkommen, sich im Mittelpunkt eines gesunden Lebens zu erkennen.

Die Ausweitung der Depression zur Volkskrankheit zeigt die Kehrseite der Medaille.

Im Sinne der altgriechischen Vorstellung von Gesundheit, dem Ausdruck von Symmetrie und Schönheit, sollte Gesundheit vom Mittelpunkt einer jeweils individuellen Lebenssituation des Menschen ausgehen, also vom Selbst des Menschen, hier also von dem, was gesund war und dem was gesund sein will. Wir müssen ein tiefes Verständnis entwickeln, warum und wie Gesundheit verloren gegangen ist und warum und wie Gesundheit wieder erlangt bzw. erhalten werden kann und wird.

Wellnessgroßbetriebe, in denen das Individuum vollständig untergeht, sind ebenso kontraproduktiv, wie Großkliniken, in deren Mittelpunkt nicht mehr der Mensch, sondern das Symptom eines Organs steht (Herzzentrum, Prostatazentrum).

Um für diese Deformierung der Gesundheitsvorstellung ein tieferes Verständnis aufzubringen, müssen wir uns mit Phänomen der frühen Menschheitsgeschichte beschäftigen.

Die ersten Ordnungsbestrebungen in der soziokulturellen Entwicklung der Menschheit waren, neben der Auseinandersetzung über den Sinn von Leben und Tod, diejenigen von Krankheit und Gesundheit.

In der Antike wurde Krankheit den Göttern und Dämonen zugeordnet, auch die Heilung lag in der Hand der Götter (Aeskulap, Gott der Heilung von Krankheit, und dessen Ehefrau Hygieia, Göttin der Gesundheit).

Diese Ordnung begründet sich also durch Projektion von Krankheit und Gesundheit in eine göttliche Welt. Demgemäß wurde Gesundheit dem Menschen von den Göttern geschenkt und Krankheit als Strafe für Missachtung, beispielsweise von religiös determinierten Regeln, verstanden.

Während sich in den folgenden Jahrhunderten die menschliche Intelligenz mit Hochdruck auf die Erforschung und Bestimmung von Krankheiten und deren Diagnostik und Behandlung stürzte, blieb der Begriff Gesundheit offensichtlich im antiken Dornröschenschlaf versunken.

Noch immer geht der Mensch davon aus, dass die Gesundheit gottgegeben ist. Bis heute beschäftigt sich keine Wissenschaft originär mit der Erforschung von Gesundheit und dessen Erhaltung, wenn man von der Salutogenese von Antonovsky absieht. In dieser Hinsicht ist die Menschheit in frühen Formen des magischen Denkens steckengeblieben. Gründe dafür gibt es viele. Nicht an letzter Stelle steht das systemimmanente Eigeninteresse der Medizin an der Weiterentwicklung von Krankenbehandlungen, obgleich es beispielsweise in der chinesischen Kultur bereits durchaus üblich war, die Leibärzte nach dem Gesundheitszustand Ihres Patienten zu bezahlen und nicht nach dem Aufwand der Behandlung von Krankheitszuständen.

Noch gehen wir von der paradiesischen Vorstellung aus, dass Gesundheit ein Zustand frei von Belastungen und Störungen sei, eine Eintracht mit der inneren und äußeren Natur, eine Sorgenfreiheit und die Gewissheit am nächsten Tag genauso gesund aufzuwachen, obwohl es für jeden nachvollziehbar ist, dass diese Vorstellung von Gesundheit kaum aufrecht zu erhalten ist. Wir sind in dieser Hinsicht an alttestamentarischen Bildern hängen geblieben. Wir befinden uns im Hinblick auf Gesundheit immer noch in der Gewissheit, Gesundheit stehe uns weiter uneingeschränkt zur Verfügung, soweit wir uns nur an die platten Regeln eines konsumorientierten Marktes halten.

Selbst die sportiven Rituale ähneln religiöser Glaubensausübung. Die bei der Absolution verhängte Sühneleistung, beispielsweise 50 „Vaterunser“ und dem stillen Verharren auf den Knien, ähnelt in mehrfacher Hinsicht den 50 „Situps“ und Meditationsübungen, wie sie uns die modernen „Gesundheitsapostel“ nahe bringen. So erscheinen die Zusammenkünfte in Wellness-Tempeln wie kultische Handlungen, die Vorturner wie Vorbeter, die Massenmarathons in Berlin und New York als eine neue Form des Jacobsweges, die Vitaminpillen als das biblische Manna. Als Kult- und Sportstätten (der Megamarathons) fungieren New York und Berlin im Sinne eines modernen Mekkas der Gesundheitsreligion.

Im Gegensatz dazu ist die Berliner Gesundheitslounge einer aufgeklärten Gesundheitsphilosophie verpflichtet. Gesundheit ist nicht gottgegeben, Gesundheit hat eine individuelle Gestalt, sie ist in konkreten Verhaltensweise ebenso wie in unbewussten Einstellungen verankert und beispielsweise in einem fortschreitenden Leben einem ständigen Wandlungsprozess unterworfen, oft mit unterschiedlichen Anforderungen und Entwicklungspotenzialen. Gesundheit ist in biopsychosozialer Hinsicht ständig zu fördern. Gesundheit ist nicht nur zu nutzen, sondern muss sich erneuern und erweitern.

Was wir anstreben ist ein kommuniziertes und somit Leben gewordenes Gesundheitsverhalten. Wir begreifen die gesamte Persönlichkeit und deren Leben als eigene Apotheke.

Gesundheit als Sammelbegriff für kulturell unterschiedlichster Modelle einer sinnstiftenden Lebensführung braucht nach unserer Auffassung mehr Kommunikation, mehr Diskurs und mehr transkulturelle Interaktion, braucht aber auch mehr Transparenz im Gesundheitssystem, eine klare Orientierung in einer präventionsorientierten, einer hohen Qualität verpflichteten modernen Medizin. Gesundheit als Funktion des Lebens sucht Kommunikation. Kommunikation (als Faktor des Lebens) braucht Gesundheit.

Das Gesundheitssystem, bestehend aus dem komplexen Zusammenspiel von Wissen, Macht und Geld, bezieht Legitimation und Vertrauen aus der Erfahrung, dass Wissenschaftler in Kombination mit Macht und Geld immer wieder auf  Szenarien bedrohter Gesundheit reagieren und dabei Wissensreserven aufbauen, die zunehmend, mindestens unmittelbar sichtbare Bedrohungen abwenden oder abschwächen können. In unsere Gesellschaft wird auf eine adäquate Verteilung von gesunden Lebenschancen geachtet, doch es gibt eine Reihe von Fehlerquellen.

Die Konzentration im Gesundheitssystem auf „die Krankheit“ homonomisiert das Verständnis von Krankheit und frisst nicht nur materielle und immaterielle Ressourcen, sondern möglicherweise auch das individuelle und kulturell differierende Verständnis von Gesundheit, womit ein tiefes Verständnis der Einheit von Seele und Körper, und nichts weiter ist Gesundheit, verloren zu gehen droht.

Der Berliner Gesundheitsclub hat ein Leitmotiv in den Mittelpunkt gestellt, den „der Verantwortung“. Er erhält insbesondere durch die Erfolge der Technologie auf dem Gebiet der Gesundheit und mit der zunehmenden Einsicht über die Grenzen der Technologie eine für uns entscheidende Bedeutung. Verantwortung ist eine Größe von Kompetenz. Fähigkeit, Bereitschaft, Fertigkeit, Zuständigkeit und Verantwortung sind die Dimensionen von Kompetenz. Gleichzeitig fördern wir Nachhaltigkeit, die aus Selbstbeobachtung, Selbstverantwortung und Selbstlernen resultiert.

Das Motto der BGL ist „Gesundheit neu leben”.

Dazu wollen wir unseren Mitgliedern verhelfen. Seit Hippokrates ist Krankheit und dessen Entstehung an den Körper gebunden. In dieser Einseitigkeit wird man weder dem Kranken noch dem Gesunden gerecht. In den letzten Jahrzehnten wendet sich die Medizin zunehmend den psychosomatischen Zusammenhängen im Krankheitsgeschehen zu. Eine Herzneurose kann das gleiche klinische Bild zeigen wie eine koronare Herzkreislauferkrankung. Der gleiche Schmerz kann sowohl in einer Läsion (mit körperlichem Substrat) begründet sein, als auch in einer Funktionsstörung (ohne körperliches Substrat). Bis zu 40% der Patienten in den Praxen sind psychosomatisch erkrankt, werden körperliche Erkrankungen von psychischen Symptomen oder seelische Erkrankungen von körperlichen Symptomen begleitet.

Auch Gesundheit ist nicht nur ein schmerzfreier Zustand, ein „Schweigen der Organe“. Wenn man bedenkt, dass z.B. Gefäßerkrankungen ca. 15 Jahre bis zu ihrer Erstmanifestation benötigen, ebenso wie z.B. Krebserkrankungen, oder die Laborparameter, die eine Leberschädigung bei Alkoholmissbrauch anzeigen, erst auffällig werden, wenn bereits 2/3 des Leberparenchyms geschädigt ist, besteht Krankheit häufig unmerklich viele Jahre vor deren Erstmanifestation. Auch Gesundheit ist ein Prozess, dessen Erhaltung im Laufe der Lebenszeit kontinuierlich Aufwand erfordert.

Gesundheit ist ein komplexer Zustand.

Nach Franke (1993) sind die Dimensionen von Gesundheit Störungsfreiheit, Leistungsfähigkeit, Rollenerfüllung, aber eben auch Homöostase, Flexibilität, Anpassung und Wohlbefinden. Da Krankheit und Gesundheit immer gemeinsam auftreten (auch der Kränkste lebt aufgrund noch vorhandener gesunder lebenserhaltender Körperfunktionen und der Gesündeste mit dem Keim später Erkrankung), definiert die BGL ihren Schwerpunkt darin das Gesundheitsbewusstsein zu fördern.

Allein das Wohlbefinden muss ständig neu erworben und gepflegt werden. Wir helfen die Bedingungen zu fördern, unter denen sich der Einzelne wohl fühlt.

Dazu gehört nicht zuletzt auch die Fähigkeit zu Genuss.

Auf dem Weg dorthin, der nur über eine gelungene Kommunikation zurückzulegen ist, begleiten wir unser Mitglied. Da Sicherstellung von Gesundheit im Allgemeinen den Rahmen der persönlichen Wahrnehmung bzw. der persönlichen Kompetenz übersteigt, werden regelmäßig Expertenmeinungen eingeholt.

Wir reagieren auch mit der Berliner Gesundheitslounge auf den sozialen Wandel insbesondere im Gesundheitswesen. Während lange Zeit Gesundheit ein familiäres und privates Thema war, so ist es nun im Rahmen organisierter und medial vermittelten Gesellschaften auch eines des öffentlichen Vergleichs an Lebenschancen.

Ökonomisierung, Politisierung, Technisierung und Verwissenschaftlichung von Gesundheit sind gesellschaftliche Prozesse, die unter anderen Faktoren diesen sozialen Wandel auch im Umfeld von Gesundheit beschreiben. Durch Organisation und Systemisierung kommt Gesundheit als Denk- und Verhaltensinhalt zunehmend in die Fänge von politischen, zweckrationalem Interessen, deren Kalkül es ist, sich durch allgemeine (und vom Einzelfall distanzierte) Verwaltung von gesellschaftlichen Gütern zu legitimieren und dabei auch ihre spezifischen Bestandsinteressen zu realisieren.

Die BGL strebt an über Kommunikation individuelle Gesundheitskompetenz herzustellen.

Wir gehen davon aus, dass nicht die gesundheitlichen Faktoren allein das Gesundheitsverhalten des Einzelnen bestimmen und steuern, sondern auch soziale, emotionale und kognitive Faktoren. Wichtige Merkmale der Persönlichkeit dienen dem Erhalt der Gesundheit, wie psychische Stärke, große innere Ruhe und ein großes Selbstbewusstsein, Überzeugung in der eigenen Kompetenz, eine positive Lebenseinstellung, positives Denken.

Bereits erworbene Kompetenzen im Umgang mit verschiedenen Belastungen und in der Bewältigung des Lebens stellen Ressourcen zum Erhalt der Gesundheit weiter da. Ressourcen werden mobilisiert durch den Rückgriff auf  Erfahrungen im Umgang mit schwierigen Lebenssituationen, die bereits erfolgreich überstanden wurden.

Wir sind der Meinung, dass diese Kompetenzen vor allem gesundheitsförderlich sind, auch wenn gesundheitliche Einschränkungen bereits eingetreten sind.

Die von der BGL dargestellte und vorgehaltene beständige Gesundheitskommunikation zwischen Experten und Mitgliedern hat folgende zentrale Ziele:

1. gesundheitliche Stabilität,

2. Optimismus,

3. Selbstwirksamkeitserwartung,

4. eine erfolgreiche Problemanalyse,

5. das „Begrenzen“ von Schwierigkeiten und das „Vermeiden“ von Überforderungen,

6. die Fähigkeit, unter Belastung innere und äußere Ressourcen mobilisieren zu können,

7. Belastungen als sinnvoll zu akzeptieren und als Herausforderung zu verstehen,

8. das „Finden“ von Formen des Ausgleichs,

9. die Bereitschaft und Fähigkeit Gefühle zu äußern,

10. die Bereitschaft Widersprüche und Ambivalenzen auszuhalten und zu integrieren,

11. die Fähigkeit auch in schwierigen Situationen die eigene Handlungsfähigkeit wieder herzustellen

 

Dies sind individuell zu fördernde Kompetenzen, die im Gesundheitskonzept der BGL die zentralen Säulen von Gesundheit sind.

Ausreichende Bewegung, sinnvolle Ernährung, selbstverantwortliche Prävention verstehen sich dann von selbst.