Unsere Philosophie


 Gesundheit hat eine individuelle Gestalt und  ist in konkreten Verhaltens- und Erlebnisweisen, ebenso wie in unbewussten Einstellungen, verankert. Gesundheit ist primärer Bestandteil menschlicher Natur und Kultur. Sie ist nicht gottgegeben, kein Geschenk. Gesundheit ist nicht nur zu nutzen, sie  muss sich erneuern und erweitern und ist kontinuierlich  in biopsychosozialer Hinsicht zu fördern.

Erstrebenswert ist ein kommuniziertes und somit Leben gewordenes Gesundheitsverhalten,  Die gesamte Persönlichkeit und deren Leben ist als eigene Apotheke zu begreifen.

Jedwede Gesundheitsreform beginnt beim einzelnen Bürger in Abhängigkeit von seinem Gesundheitsbewusstsein, Gesundheitsverhalten und Gesundheitsinvestment.

In diesem Sinne ergeben sich  Anforderungen an die ärztliche Berufsausübung.  Sie  stehen allerdings erfahrungsgemäß im Gegensatz zu den zunehmenden Zwängen eines ökonomisierten Gesundheitssystems. Insbesondere im zurückliegenden Jahrzehnt  war das Berufsbild des Arztes erheblichen Veränderungen unterworfen. Durch erzwungene Effizienzsteigerung und Beschleunigung erodiert  die Souveränität des Arztes als Behandler und Freiberufler und in der Folge die  Arzt-Patient-Beziehung.

So ist z.B. die ärztliche Tätigkeit an hohe Patientenzahlen und eng standardisierte Behandlungspfade gekoppelt. Die Medizin selbst ist zunehmend entindividualisiert und automatisiert. Bei einer voll ausgelasteten Praxis, die unter den Bedingungen der Mengen-  und Zeitbeschränkungen im GKV-System arbeitet, liegt das Zeitmaß des ärztlichen Gespräches mit dem Patienten unter 10 Minuten  im Quartal.  In den Krankenhäusern ist es noch geringfügiger.

Was nach außen als Kontrolle und Standardisierung, Wissenschaftlichkeit und Effizienz  erscheint, ist häufig ein Zerrbild der Heilkunst des Arztes. Für die implizierte  gemeinsame Suche nach der Bedeutung der Symptomatik und somit  eine zuwendungsorientierte Behandlung ist allzu häufig kein Platz, nimmt doch die Administration bereits einen überdimensionalen Raum ein.  Bezeichnender Weise  wird die Vollständigkeit einer Leistungserbringung, die erst zur Abrechnung legitimiert,  durch eine umfassende Dokumentationspflicht erfüllt, nicht etwa durch eine Evaluation der Heilbehandlung und ggfs die Hinzuziehung einer externen Expertise oder eine obligatorische Betrachtung und Auswertung spezifischer situativer bzw.  aktueller Vorkommnisse im Leben des Patienten.

Die starke Normierung ärztlichen Handelns findet realiter über Leitlinien, evidenzbasierte Medizin, Disease Management Programme, Fallpauschalen, DRG und deren Abrechnungskabbalistik statt. Maßgeschneiderte, methodenspezifizierte Therapien aber verfehlen häufig den Kranken als Subjekt und dessen Krise, führen zur Symptomverschiebung oder zur Chronifizierung des Krankheitsbildes.

Die ÄGGP dagegen setzt auf Eigenverantwortlichkeit und Eigenkompetenz des Patienten und dessen  intensive Aufklärung durch Prävention und Ressourcenaktivierung. Der Patient soll eigene Lösungskompetenzen aktivieren, indem das ärztliche Interesse an den subjektiven Gesundheits- und Krankheitsvorstellungen des Patienten  und das Interesse des Patienten an dessen eigener Gesundheitserhaltung gefördert werden.

Dem Patienten nützt es sehr viel mehr, selbstbestimmt zu handeln und die eigene Gesundheit und deren Erhaltung sowie die Genesung in der eigenen Hand zu halten. Außerordentlich wichtig ist es, den Patienten in die Entscheidungsfindung während der Behandlung einzubeziehen. Wirkt der Patient selbst mit, ist auch immer die Behandlung erfolgreicher. Mitarbeit auf der Grundlage gemeinsamer Entscheidungsfindung wird von der ÄGGP als conditio sine qua non gesehen.

Der Patient soll auswählen, verlangen, bewerten und beurteilen, erörtern und Fragen stellen.

Sowohl im Heilungsprozess als auch bei der Erhaltung von Gesundheit sind Arzt und Patient gleichberechtigt – und gleichermaßen verpflichtet. Sieht sich der Patient schließlich  selbst als Experte seiner eigenen Gesundheit und letztlich auch als Gesundheitsinvestor, nimmt er seine Verantwortung wahr, hat er den Bewusstseinsschritt zur Selbstverantwortung vollzogen: Er ist bei seiner Behandlung dem Arzt ein wirklicher und aktiver Partner.

In einem neuen medizinischen Selbstverständnis, das die ÄGGP anstrebt, werden Ärzte drohende Krankheiten ihrer Patienten frühzeitiger erkennen. Die Entstehung von Krankheiten wird durch Prophylaxe und Prävention eingedämmt, Krankheitsrisiken frühzeitig erkannt und kommuniziert.  Der Patient behält die Handlungshoheit und nutzt sie aktiv in persönlicher Freiheit für seine eigene Gesundheit.